Tagebuchauszug - 10.12.2013 Chiang Mai. Nach zehn Tagen Stadtleben zieht es uns wieder auf die Strasse. Also eigentlich auf die Schiene, denn bis nach Phitsanulok wollen wir das Abenteuer Zug erleben. Die Fahrräder werden etwas unsanft in den Gepäckwagen verstaut. Zum Glück bin ich dabei und kann das Schlimmste verhindern. Überraschenderweise gibt es pünktlich um 17:30 einen Ruck und der Zug nimmt die 340km lange Strecke unter die Räder. Nach dem Nachtessen auf unzähligen kleinen Plastiksäcken sichern wir uns einen Platz im Speisewagen, dort ist nämlich die Hölle los. Der Raum ist voll, voll mit jungen Leuten, lauter Musik, Rauch und farbigem Discolicht. Beatrice tanzt mit zwei wilden Hühnern aus Frankreich bis Mitternacht als der "Wirt" den Laden dicht macht. Nicht weil er dies möchte, nein andere Zugreisende möchten endlich etwas zur Ruhe kommen. Elf Stunden später treffen wir in den frühen Morgenstunden in Phitsanulok ein und legen uns am Bahnhof auf eine Steinbank und holen die fehlenden Stunden Schlaf nach bis die Sonne uns wieder weckt.

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Entgegen aller Warnungen sind wir keine zwei Stunden nach unserer Ankunft in Bangkok bereits mit dem Fahrrad unterwegs. Wie wir sie auch drehten, die Fahrräder finden im Shuttle-Bus zum Hotel keinen Platz. Für den Busfahrer ist dies kein Problem, "follow me" und schon sitzt er hinter dem Steuer und fährt los. Wir, ziemlich überrumpelt, radeln hinter her damit wir unser Leitfahrzeug nicht aus den Augen verlieren.

Etwas aufgeregt und gespannt was uns erwartet, nehmen wir ein paar Tage später unseren ersten Rad Tag in Angriff. Der Linksverkehr verwirrt Anfangs noch etwas, doch die Fahrweise ist rücksichtsvoll und meistens können wir auf einem breiten Seitenstreifen fahren. Dieser ist natürlich nicht ganz für uns reserviert, er wird auch als Parkplatz, Marktstand oder als Gegenfahrbahn benutzt. Also immer schön die Augen offen halten. Wir sind trotzdem froh am Zielort anzukommen und machen uns auf die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Nicht ganz einfach wie sich herausstellt. Schlussendlich landen wir etwas ausserhalb im "For Love Resort". Auf den ersten Blick eine Autowaschanlage mit Boxen für die Fahrzeuge und dicken Planen zum zuziehen. Dahinter entdecken wir jedoch eine nummerierte Tür. Vielleicht doch ein Hotel. Der "Portier" empfängt uns mit schallendem Gelächter und kann sich kaum erholen. Erst als wir ihm bestätigen, dass wir wissen um welche Art Haus es sich hier handelt, ist er bereit uns ein Zimmer zu geben. Und so werden wir mit unterschiedlichen Liebesgeräuschen in den Schlaf begleitet.

Wir stellen bald einmal fest, dass wir zur Orientierung Google Map mit einbeziehen müssen. Nur auf diese Weise finden wir ruhige Nebenstrassen, welche sich durch kleine Bauerndörfern schlängeln und schöner zu fahren sind als die Hauptverbindungen. Wir zeichnen uns täglich eine Karte mit den Strassenbezeichnungen und den Wegkreuzungen und setzen im GPS einen Weg Punkt mit dem Tagesziel. Nach Ang Thong wird es etwas einfacher, wir können dem Fluss Ping bis Kamphaeng Phet folgen. Das Timing ist perfekt, ein grosses Fest steht an. Loi Krathang, ein landesweites Lichterfest am Tag des Vollmonds im zwölften Monat des traditionellen thailändischen Lunisolarkalenders. Loi heisst übrigens schwimmen oder schweben und Krathang Floss. Auch Beatrice schickt ein kunstvoll, aus Bananenblätter gefertigtes kleines Floss mit Kerze und Räucherstäbchen auf die Reise, um die verunreinigte Seele zu reinigen. Wobei die Reise der vielen hundert Schiffchen oft nur sehr kurz ist. Geschäftige kleine Taucher fischen die prachtvollsten Schiffchen wieder aus dem Fluss, entnehmen die monetären Opfergaben, und verkaufen sie den nächsten Touristen. Im nächtlichen Lichtermeer sind diese Schelme ausserdem  kaum auszumachen.

Langsam verändert sich die Landschaft. Vor uns erheben sich sanfte Hügel. Nach Uttaradit werden diese höher und die Temperaturen über 30 Grad machen uns erstmals zu schaffen. Der Schweiss fliesst in strömen, unangenehm, wir haben das Gefühl in einer Sauna zu radeln. Gedankenversunken pedalen wir Meter für Meter bergauf als plötzlich vor uns ein am Strassenrand sitzender Mönch erscheint. Er winkt uns zu sich und bietet Früchte am. Ich setze mich zu ihm und wir essen zusammen einen kleinen Imbiss. Da Frauen einen Mönch weder ansprechen noch berühren dürfen, wartet Beatrice etwas entfernt bei den Fahrrädern. Nach dem kleinen Mahl bietet er mir noch eine selbstgedrehte Zigarette an. Das Kraut ist stark, eigentlich zu stark für mich, doch wann werde ich das nächste Mal mit einem Mönch eine rauchen? Nach 995km treffen wir am 27.11.2013 in Chiang Mai im Norden von Thailand ein.