Tagebuchauszug - Dienstag 03.09.2013 - Celarvo. Vukovar haben wir heute Morgen hinter uns gelassen. Was uns bleibt sind die Bilder der zerbombten Häuser. Es ist früher Abend und wir sind auf der Suche nach einem geeigneten Platz für unser Zelt. Es ist die erste Nacht in Slowenien, am Mittag haben wir die Grenze überquert. In Backa Palanka finden wir einen Zeltplatz, doch dieser ist polizeilich abgesperrt, wir wollen gar nicht wissen warum und fahren weiter. Ein Stück weiter dem Fluss entlang ist auf der Karte ein Schwimmbad und ein Zeltplatz eingezeichnet. Beides existiert nicht, dafür treffen wir ein paar witzige Kerle die sich mit Bier und Schnaps den Nachmittag versüssen. Wir schlagen unser Zelt nicht weit von ihnen auf und werden zu Bier, Schnaps, Hundegulasch und Fischsuppe eingeladen. Und ein Nein wird nicht akzeptiert.

Am Morgen steht Damjan (Name ist frei erfunden) bereits um sieben Uhr mit zwei Gläser Hochprozentigem neben unserem Zelt. Doch jetzt müssen wir definitiv Ablehnen und um einen Kaffee bitten. Dieser trinken wir jedoch im Eilzugstempo, denn auf dem Herd werden Kutteln gekocht, und das geht nun gar nicht am Morgen und so ziehen wir fluchtartig weiter.

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Wie es sich für richtige Schweizer (1) gehört, starten wir den zweiten Teil unserer Radweltreise am Schweizer Nationalfeiertag. Die schöne, grüne Aare begleitet uns an die Grenze in Koblenz von wo wir uns durch den hügeligen Schwarzwald nach Donaueschingen quälen. Es scheint, dass der markierte Radweg uns immer über die höchsten Hügel und die tiefsten Täler führt. Wir wollen jedoch nicht jammern, schliesslich haben wir uns freiwillig für das Fortbewegungsmittel Fahrrad entschieden.

In Zweifaltendorf finden wir direkt an der Donau eine Wiese die sich perfekt zum wild Zelten anbietet. Wir warten bis auch die letzten Badegäste verschwunden sind und bauen unser Zelt auf. Es muss ja nicht gleich das ganze Dorf wissen, dass da zwei Schweizer Radfahrer übernachten wollen. Dies ist zumindest unsere Vorstellung. Wir haben kaum zu kochen begonnen, da fährt die gesamte Dorffeuerwehr inklusive Jugendsektion vor unser Zelt und führt die Übung „Öl Sperre“ durch.

Wir geniessen die verkehrsfreien Radwege entlang der Donau mit den schönen Zeltplätzen und den freundlichen Leuten. Sogar in Wien können wir am Stadtrand unser Zelt aufschlagen und mit der S-Bahn in die Stadt fahren. In Linz war es die Torte und in Wien ist es das Schnitzel das uns in ein Gasthaus zieht. Ein anderes Haus das einen Besuch verdient ist Schönbrunn. Im Viertelstundentakt werden die Besucher durch das prunkvolle Schloss geschleust und mit interessanten Informationen über die Zeit von ... versorgt. Am Ende steht man völlig erschlagen vor dem Ausgang und ist froh nicht während dieser Zeit gelebt zu haben.

Slowakei (4) ist nach Deutschland (2) und Österreich (3) das vierte Land welches wir durchradeln. Der Radreiseführer informiert uns, dass es auf dem geplanten Streckenabschnitt sehr wenig Einkaufs- und Übernachtungsmöglichkeiten gibt und die Ungarische Seite diesbezüglich angenehmer ist. Also verlassen wir die Slowakei nach dem Besuch von Bratislava, bereits nach einem Tag wieder. Die Radwege und Strassen werden nun zunehmend schlechter hier in Ungarn. (4) Sand- und Kieswege auf welchen es sich wie auf Eiern fährt, bringen mich (Beat) schon am ersten Tag zu Fall. Vier Tagesetappen weiter empfängt uns Budapest mit viel Regen und Feierabendverkehr. Die Stadt gefällt uns gar nicht, was wohl hauptsächlich am schlechten Wetter und nicht an der Stadt selber liegt.

Kurz nach Vukovar, Kroatien (5) überqueren wir die Grenze zu Serbien (6) und fahren auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit an eine kleine Siedlung mit winzigen Ferienhäuschen. Ein paar junge Männer laden uns spontan auf ein Bier ein und bieten uns an, in ihrem Mini Haus zu übernachten. Zu siebt in einem 3x3m Raum scheint und doch zu eng und wir schlagen unser Zelt direkt am Donauufer auf. Kaum sind wir eingerichtet, winkt uns ein Nachbar zu sich. Wir sollen zum Essen kommen. Leider verstehen wir uns nicht, da wir kein Serbisch sprechen und er durch eine Krebserkrankung ein Loch im Kehlkopf hat. Gulasch und Wodka steht auf dem Speiseplan, nur bin ich mir anhand der Knochen nicht sicher von welchem Tier das Fleisch stammt. Ich komme zum Schluss, dass es wohl Hund ist. Ein Haus weiter wird uns noch eine Fischsuppe, natürlich auch mit Wodka serviert. Und als ich am Morgen aus dem Zelt schlüpfe, steht unser sprachloser Freund mit zwei Gläser Feuerwasser vor dem Zelt. Von wegen Fahrradfahren ist gesund.

Nach Negotin fahren wir durch eine abgelegene, bergige Gegend, welche uns zur Grenze von Bulgarien (7) führt. In Kobisnica, einem hübschen und gepflegtes Dorf, wollen wir unseren letzten Serbischen Dinar ausgeben. Die Verkäuferin im kleinen Ladens spricht zu unserem Erstaunen perfekt hochdeutsch. Sie erzählt uns, dass ein Grossteil der hier lebenden Menschen längere Zeit in Deutschland gearbeitet habe und daher das Dorf etwas Deutsches hat. Zum Schwarzen Meer trennen uns nur noch 600km. Auf diesem Streckenabschnitt bildet die Donau die Grenze zwischen Bulgarien und Rumänien. Etwa auf halber Stecke treffen wir unsere Freunde aus San Francisco. Sie fahren mit dem Kreuzfahrtschiff „Avelon Imagery“ von der Quelle bis nach Wien. Das Wiedersehen ist nur kurz, dafür umso herzlicher. Der Kapitän bewilligt uns sogar einen Kurzbesuch auf dem Schiff um ein gemeinsames Bier zu trinken.

In Ruse setzen wir mit der Fähre nach Giurgiu, Rumänien (8) über, um in Bukarest unser Thailand Visum zu organisieren. Der Aufenthalt in der Botschaft wird eine kurze Angelegenheit, weil diese nur für Rumänische Staatsbürger Visa ausstellen dürfen. Ohne dieses Visum werden wir nur für 30 Tag eine Einreisebewilligung erhalten und müssen innerhalb diesen auch eine Ausreisebestätigung vorweisen können. Dies wird uns noch einiges Kopfzerbrechen bereiten.

Einige Tage und wir sehen das Schwarze Meer vor uns. Constanta ist die erste Stadt am Meer. Von hier fahren wir alles der Küste entlang Richtung Türkischer Grenze. Wir durchfahren ein wunderschönes Naturschutzgebiet und übernachten in Malko Tarnovo, der letzten Bulgarischem Stadt. Bevor wir am Morgen die Grenze überqueren, kaufen wir mit den letzten 10 LEV (6 SFR) in einem kleinen Laden ein. Gerade als wir abfahren wollen, kommt ein Mann zu uns und schenkt uns einen Laib Brot. Er dachte wohl wir seinen so arm weil wir unser Geld im Laden so genau abgezählt hatten. Wir bedanken uns und haben ein schlechtes Gewissen.

Bereits im ersten Dorf in der Türkei (9) werden wir von der Freundlichkeit der Bevölkerung überrascht. Als wir in Kirklareli nach dem Weg fragen, führt uns ein freundlicher Mann zuerst zu einem Geldautomaten und danach in ein gutes und günstiges Hotel. Auf dem Gemüsemarkt werden uns Birnen, Zitronen und Gemüse geschenkt und am Abend werden wir von einem Hotelangestellten zu Pouletschenkel eingeladen.