Tagebuchauszug - 30. Juni 2012 - Old Hazeltown. Wir sitzen am Lagerfeuer und geniessen wie oft den Abend. Der Rauch haelt die Muecken fern und waermt unsere mueden Koerper vom anstrengenden auf und ab. Flach ist der Yellow Highway selten, und wenn doch dann weht meist ein kraeftiger Wind platt auf die Nase. Als Segler liebten wir den Wind, als Radfahrer scheint er uns anstrengender als die Passfahrten welche wir hinter uns haben. An diesem Abend sitzen wir jedoch nicht alleine am Feuer, nein wir sind von First Nations des Volkes Gitxsan eingeladen. Das heutige Dorf in Old Hazeltown liegt am Zusammenfluss von zwei fischreichen Fluessen an welchen schon seit Generationen Gitxsan Doerfer standen und noch heute stehen. Wir werden reichlich mit frischem Lachs, geraeucherten Lachsstaebchen, wiederlicher Fischsauce und interresanten und witzigen Gespraechen beschenkt. Ein unvergessliches Erlebnis, insbesonders da sehr viel negatives ueber die urspruengliche Bevoelkerung von Kanada berichtet wird. Wir durften ein gastfreundliches und lustiges Volk erleben.

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Mittlerweilen haben wir 620km zurückgelegt und sind in Rocky Mountain House angekommen. Die ersten Wochen waren etwas hart. Oft Regen und tiefe Temperaturen (nachts im Zelt null Grad) und am Morgen das nasse Zelt wieder einpacken. Bereits zweimal sind wir an Bären vorbeigefahren, einmal im Abstand von 20m. Wir hatten beide ein mulmiges Gefühl so nah. Die Nacht von DO auf FR verbrachten wir auf wir auf einem Campground wo die Nacht zuvor ein Bär umherstreifte. Der Rancher sagte uns, wir sollen besser in dir Hütte campen und die beiden Eingänge mit Tischen verbarrikadieren, falls der Bär wieder kommen sollte. Er brachte uns auch noch ein Luftdruckhorn zur Abschreckung. Zusätzlich mit unserem eigenen Bär Pfefferspray bewaffnet gingen wir dann schlafen, wobei uns jedes kleine Geräusch den Atem stockte. Den ersten Pass haben wir auch hinter uns (Bow Pass) zwar nur 2100m hoch aber noch mit Schnee. Nun bleiben wir eine Woche hier in Rocky Mountain House und bauen Weidezäune und Hagelschutz für den Garten. Wenn dann die Schulter von Beatrice nicht mehr schmerzt, werden wir Richtung Jasper aufbrechen.

Wir sitzen am Lagerfeuer und geniessen wie oft den Abend. Der Rauch hält die Mücken fern und wärmt unsere müden Körper vom ewigen Hügel hoch und runter. Flach ist der Yellow Highway selten, und wenn doch dann weht meist ein kräftiger Wind platt auf die Nase. Als Segler liebten wir den Wind, als Radfahrer scheint er uns anstrengender als die Passfahrten welche wir hinter uns haben. An diesem Abend sitzen wir jedoch nicht alleine am Feuer, nein wir wurden von Indianer des Volkes der Gitxsan eingeladen. Das heutige Dorf in Old Hazeltown liegt am Zusammenfluss von zwei fischreichen Flüssen an welchen schon seit Generationen Gitxsan Dörfer standen. Wir werden reichlich mit frischem Lachs, geräucherten Lachsstäbchen, widerlicher Fischsauce und interessanten und witzigen Gesprächen beschenkt. Ein unvergessliches Erlebnis, ins besonders da sehr viel negatives über die ursprüngliche Bevölkerung von Kanada berichtet wird. Wir durften ein gastfreundliches und lustiges Volk erleben. Und nun haben wir Prince Rupert erreicht. Anfangs hatten wir beide unsere Bedenken. Dazu kam dass Beatrice mit Schmerzen in der Schulter zu kämpfen hatte und ihr das Radfahren grosse Mühe bereitete. Und dann waren es auf einmal noch 300, noch 60 und plötzlich haben wir die erste grosse Etappe von 1912 Klicks (Kilometer) geschafft und fallen uns in die Arme. Mit Freude erinnern wir uns an die freundlichen und hilfsbereiten Menschen zurück. Immer gab es solche die uns nach einem strengen Tag eine Büchse Bier oder einen wärmenden Kaffee offerierten. Aber auch an Menschen wie Thom Henley erinnern wir uns gerne. Der Schriftsteller aus Victoria welcher zwischen Hazeltown und Terrace ein riesiges Grundstück sein eigen nennt. Er und sein thailändischer Angestellter oder Freund vermieten Cabins und schön eingerichtete Zelte, pflegen einen grossen Gemüse- und Beerengarten und halten einige Hühner. Wir fahren eines Nachmittags, auf der Suche nach einem Platz zum zelten, zu ihrem Haus. Eigentlich betreiben sie keinen Campground, wir dürften unser Zelt aber trotzdem am Ende ihrer Strasse aufschlagen. Thom erzählt uns bei Tee und Kuchen dass er viel mit der International School zusammenarbeitet. Er organisiert hier und in Thailand für die Jugendlichen aus aller Welt lehrreiche Aufenthalte in der Wildnis. Mehrere seiner Bücher befassen sich mit der Geschichte der Gitxsan Indianer und dem Leben in und mit der Natur. Nach einer stürmischen Nacht mit Windgeschwindigkeiten von 90km/h und lautem geröllrauschen vom abbrechenden Kies des unterspülten Flussufers, bereitet er uns ein Frühstück mit Rührei, Toast und Früchten zu. Bezahlen dürfen wir nicht, dafür erhalten wir noch frische Erdbeeren zum Abschied. Natürlich muss ich auch die Familie Schönbächler aus der TV-Reisesendung "Auf und davon" erwähnen, welche wir in Rosswood besucht haben. Eigentlich hatten wir bereits entschieden, denn Abstecher von 60km nordwärts nicht zu unternehmen. Doch als uns David, ein Schweizer welcher die Auswanderer bereits dreimal besucht hat, den Besuch auch empfiehlt, nehmen wir dies als Zeichen wahr und radeln Richtung Norden los. Die Reise führt uns durch ein traumhaftes Tal welches uns etwas ans Berner Oberland erinnert. Ein See begleitet uns bis nach Rosswood, welches nur aus ein paar weit verstreuten Häuser und einem General Store besteht. Als wir ankommen ist Hermann Schönbächler gerade dabei anderen Schweizer Touristen seinen vom Sturm verwüsteten Wald zu zeigen. Unglaublich welche Menge Holz da immer noch kreuz und quer am Boden liegt. Kaum angekommen packen wir auch schon an und beladen einen Truck mit Brennholz für die Nachbarin. Hermann scheint ein geborener Holzfäller zu sein. Er hantiert so geschickt und schnell mit Motorsäge und Axt wie wir es noch nie gesehen haben. Mit dem alten Truck fahren wir zu der alten Dame und laden ab. Auf der Rückfahrt macht Hermann noch einen Schwenker übers Weideland. Wohlverstanden bei voller Geschwindigkeit und Werner, ein weiterer Schweizer zu Besuch, und ich stehend hinten auf der Ladebühne. Nur mit grossem Kraftaufwand können wir unsere Positionen halten und der Fahrer hat seinen Riesenspass. Am nächsten Tag unternimmt "Mändu" mit uns eine abenteuerlich Wanderung an einen Fluss. Wir durchqueren einen Urwald mit riesigen Pflanzen wie dem giftigen Teufelsspazierstock, welcher mir später einen Ausschlag an den Ellenbogen beschert. über- und unterqueren umgefallene Bäume mit Durchmessern über einem Meter und balancieren über schmale Baumbrücken. Ich versichere Beatrice, dass meine Kletterei in der Schweiz halb so gefährlich war. Mittlerweilen sitzen bereits 18 Leute um das abendliche Feür. Am Sonntag hat Hermann Geburtstag. Am Abend sind dreissig Personen zur Party eingeladen. Der Bärenschinken, und dies ist kein Witz, welcher Hermann selber erlegt und gemetzget hat schmeckt ausgezeichnet. Das Fleisch ist weinrot und grobfaserig, wir würden sofort wieder ein Stück verzehren. Die meisten Besucher gehören der gleichen Kirche an wie Schönbächlers, auch die zwei Mann/Frau Band welche eine Stunde für gute Unterhaltung sorgt. Die Kanadier gehen um neun nach Hause, die Schweizer sitzen wieder bis Mitternacht am Feuer und verbrennen Unmengen Holz. Bei einem Holzfäller ist dies quasi Pflicht. Trotz aller Lagerfeuerromantik führen die Schönbächlers ein Arbeitsintensives Leben. Christine führt den Haushalt mit den drei Kindern Natacha, Richi und der kleinen Alexandra und hat einen wirklich grossen Garten zu unterhalten. Ja und nun stehen wir am Fährterminal in Prince Rupert und warten auf die überfahrt nach Port Hardy auf Vancouver Island. Unsere nächste Etappe wird uns nach Vancouver und dann über die Grenze in die USA bringen. Wir freuen uns auf diesen Teil, haben wir doch einige Adressen zum arbeiten oder wohnen in der Tasche.

Heute wird uns die Fähre von Victoria nach Port Angeles bringen. Nach ziemlich genau 3000km in etwas mehr als drei Monaten verlassen wir nun Kanada, dass Land mit den gastfreundlichen Menschen und den endlosen Wäldern. Die kälter werdenden Nächte ziehen uns langsam südwärts. Nach dem letzten Bericht brachte uns die Fähre auf Vancouver Island. Wir trafen spät in Port Hardy, dem nördlichsten Hafen Insel ein und mussten die zehn der Kilometer zum Campground in dunkler Nacht fahren. Nicht unser Ding. Wir haben zwar Licht an unseren Bikes, wissen jedoch über die Fahrkünste der durch Touristen gefahrenen Camper Bescheid. Den meisten ist nicht wirklich bewusst wie breit ihr Fahrzeug ist, geschweige denn Nachts.

In Norden der Insel fuhren wir durch dicht bewaldetes Gebiet. Dass auf den ersten 200km kein Campingplatz zu finden ist wussten wir, dass es aber absolut kein campbares Stück Erde für unser Zelt gibt brachte uns doch etwas ins schwitzen. Die Strasse hatte auf beiden Seiten einen tiefen Graben und anschliessend findest du nur noch dichter Regenwald. Uns bleibt also nichts anderes übrig als im versteckten auf Rest Areas zu übernachten. Rest Areas sind Parkplätze mit Klohäuschen und Sitzgelegenheiten und das campen ist explizit verboten. Eines Morgens schleichen wir uns fertig bepackt aus dem Versteck und treffen auf unseren französischen Radlerfreund welcher am anderen Ende versteckt übernachtet hat und ebenfalls aus dem Dickicht gekrochen kommt. Lustiges wiedersehen - top secret.

Nach vier Tagen Nichts treffen wir in Campbell River endlich wieder auf Zivilisation und besuchen auf Empfehlung eines deutschen Radlerpaar den Provincial Park Kitty Coleman Beach, welcher direkt am Meer, traumhaft gelegen ist. Wir bleiben ein paar Tage und lernen glücklicherweise Michael und Clara kennen. Da es an diesem tollen Ort keine Douche gibt und wir seit Tagen bereits ohne diese auskommen mussten, nehmen sie uns mit ins Hallenbad. In den kommenden Tagen lernen wir die beiden näher kennen und werden eingeladen sie an der Nanoose Bay zu besuchen. Der Weg zu Ihnen führt uns an schönen Villen und herrlichen Sandstränden vorbei. Auf den Strassen sehen wir nicht mehr die riesigen, rostigen Trucks wie sie im Norden gefahren werden, sondern edle Luxuswagen, oft ohne Dach. Hier gefällt es uns. Wald haben wir auf dem Yellow Head Highway genug gesehen. Bei Michael und Clara, sie eine gebürtige Kubanerin und einstige Nummer eins im Tischtennis, dürfen wir eine Woche wohnen. Sie zeigen uns die Sehenswürdigkeiten der Umgebung und fahren uns zuletzt auch noch mit Sack und Pack nach Port Alberni, von wo aus wir die Surfparadiese Tofino und Uclület besuchen.

Kurz vor Victoria lernen wir, auch wieder auf einem Campground eine lustige und laute Gesellschaft aus Vancouver kennen Tagen ist für genügend Speis und Trank gesorgt und unsere Küche bleibt unbenutzt. Als wir weiterziehen haben wir auch noch zwei Adressen von Vancouver in der Tasche. Vierzehn Tage später fahren wir in Vancouver ein und treffen als erstes unsere Nachbarn aus der Schweiz zu einem Nachtessen in einem Drehrestaurant mit Sicht über die Stadt. Ein lustiges wiedersehen am anderen Ende der Welt. Nach zwei Tagen lautem Backpacker Hostel ziehen wir los und klopfen bei Randal und Lynn in Coquitlam an die Tür. Bei ihnen ist immer full house, ein ständiges Kommen und Gehen und immer ein volles Glas Wein. Nach einer Woche wird es uns etwas zu viel und wir besuchen Alex in West Vancouver, dem Ort der Schönen und der Reichen. Von hier sind wir in 5 Minuten an einem schönen Beach und in 30 Minuten in Downtown. Toller Ort zum verweilen, und doch müssen wir weiter ziehen, obwohl wir noch länger Gastrecht hätten. So ziehen wir am Montag den 10. September 2012 Richtung Victoria weiter, wo uns die Fähre in ein neues Land und zu neuen Abenteuern führt.